Wie ich wurde, was ich bin: Mein Weg zur Pilatestrainerin und dadurch zu mir selbst

Aktualisiert: 1. Juni


Vielleicht erwartest Du jetzt einen schön und spannend formulierten Lebenslauf? Mit einer Auflistung aller Herausforderungen, die ich gemeistert habe und mit einem herzerwärmenden happy end... Tatsächlich geht es mir genau darum gar nicht, sondern um meine Reise raus aus dem Verstand (best buddy mit meinem Willen) rein ins Gefühl. Die Frage "Wer will ich sein?" zu ersetzen durch "Wer bin ich?".


Warum mir das so wichtig ist? Weil ich selbst ein absoluter Verstandesmensch war ... und oft auch nach wie vor bin. Ich liebe es zu analysieren und das auch vorausschauend....Controllerin eben mit Leib und Seele. Aber auch wenn ich diesen Beruf mit viel Leidenschaft gemacht habe, fehlte mir zunehmend die Leichtigkeit. Im Gegenteil, die Arbeit beanspruchte stetig mehr meiner Energie.


Natur und Bewegung waren schon immer sehr wichtig für meine Erdung. Einfach die beste Möglichkeit für mich ins fühlen zu kommen und mich selbst wahrzunehmen. Und es hat einige Jahrzehnte gedauert, mit Pilates in Berührung zu kommen. Und jedes Jahr davon war es wert.


1. Rudern Mit 11 Jahren hat mich dieser Sport entdeckt und mit kleineren und auch längeren Pausen bin ich ihm bis in meine 40er sehr verbunden geblieben. Als Jugendliche stand für mich rudern immer unter dem Wettkampfstern, als Erwachsene habe ich den Ausgleich gesucht ... Bewegung, frische Luft, Wind, das Spiel des Lichts auf den Wellen, der Geruch der Jahreszeiten und ganz viel mehr. Ich selbst habe mich im Boot zu hause gefühlt, mich 'automatisiert' bewegt. Gerade die Erwachsenen - die neu eingestiegen sind - hatten damit ein großes Problem. Die Technik zu lernen ist das eine, das Gefühl für das Boot & die Wellen und eine kraftvolle, rhythmische und gleichmäßige Bewegung etwas völlig anderes.


2. Yoga Ja auch Yoga habe ich mit Begeisterung gemacht. Habe mich in diversen Berliner Studios durchgetestet und bin letzlich im Raum für Yoga Stammkundin geworden. Mein Körper hat die Bewegungen und Dehnungen geliebt, nur irgendwie hatte ich das Gefühl, jeden Freitag am gleichen Punkt zu starten und zu enden. Auch die Abendkurse hat mein Körper nicht gut gefunden, ist halt eigentlich für den Start in den Tag gedacht. Kurioserweise habe ich in Berlin keine Yoga-Stunde morgens 7 Uhr finden können...

3. Pilates die Erste ...dafür aber einen Pilateskurs. In einem tollen Balletstudio direkt in der Nähe meiner Arbeit. Eine ganz andere Körperarbeit mit morgentauglichen Übungen. Aber auch das nur eine Zwischenstation, doch zu wenig Herausforderung für meinereiner... Heute weiß ich, dass es wie beim Yoga auch beim Pilates sehr viele Ausprägungen gibt und es mich immer in die sportlichere Richtung zieht.

4. Pilates next step Und wieder habe ich Berlin abgescannt...diesmal nach Pilatesstudios. Um erstaunt festzustellen, welch vielfältiges Angebot es gibt. Vor allem aber auch, welch ein individuelles Training in einer Gruppe möglich ist. Dass es auch nicht nur die Matte gibt, sondern riesige Geräte...die alle Nicht-Pilatisten zu gern als Foltergeräte bezeichnen. Ich bin anfangs gar nicht auf die Idee gekommen, etwas anderes als Matte zu trainieren. Mit meinem Ruderbackground war ich immer! davon überzeugt, alle relevanten Muskeln trainiert zu haben. Im Training sowohl auf der Matte als auch an den Geräten wurde ich eines Besseren belehrt.

5. Basisausbildung Pilates Mattentrainer Meine Motivation? Ziemlich einfach: ich konnte mir nie die Reihenfolge der Übungen merken, um sie zu Hause nachzuüben. Gebucht hatte ich einen 4 Tage Workshop bei CorePilates von Donnerstag bis Sonntag und ich weiß bis heute nicht, wie ich nach den 4 Tagen wieder nach Hause gekommen bin. So ein intensives Training hatte ich seit meiner Jugend nicht mehr erlebt. Und nach den 4 Tagen hat mich Simone gefragt, ob ich mir vorstellen kann zu unterrichten. Konnte ich nicht...hab ich aber ausprobiert. Und bin bis heute dankbar für die vielen Zufälle, die sich damals verabredet haben.




6. Jetzt fehlen wohl noch die Geräte... ...mit den spannenden Namen Reformer, Cadillac, Chair, Barrel, Spine Corrector und einige mehr. Die Basisausbildung war krass und gleichzeitig habe ich gemerkt, dass ich total Feuer gefangen hatte und dranbleiben wollte. Insgesamt mehr als 500 Stunden sind es geworden, die ich über mehrere Jahre in die Ausbildung investiert habe. Während der Ausbildung ging es für mich darum, die Übungen zu können und bereit zu sein für die Prüfungen, die für jedes Level zu bestehen waren. Und wie schon nach meinem Studium vor über zwei Jahrzehnten beginnt das eigentliche Lernen erst nach der bestandenen Prüfung.

7. Mein eigenes Training neu definiert Für die Geräteausbildung habe ich mir auch erstmalig Personal Trainings gegönnt und sozusagen die 7-Meilenstiefel gebucht. Einfach ein unglaublich anderes Trainingsgefühl als Gruppenkurse (die auch schon mega anstrengend sein können). Und es war mein Glück einen Trainer zu finden, der mir gezeigt hat, was es bedeutet einen Körper zu unterrichten und die Übungen individuell auszulegen. Der mir auch bewusst gemacht hat, wie sehr ich imstande bin, mich selbst zu blockieren, weil ich mir Dinge bzw. Bewegungen nicht zutraue. Dann wird es halt auch nichts! Aber mit dranbleiben und den für mich passenden Weg suchen, damit hat es immer geklappt.

8. Vom Schreibtischtäter zur Pilatestrainerin Parallel zur Ausbildung habe ich immer zwei bis drei Stunden pro Woche unterrichtet, mal vertretungsweise mehr, mal aber auch weniger (im Winter kann 7 Uhr morgens eine zu große Herausforderung werden). Dass ich mit dieser 'Intensität' keine routinierte und gute Pilatestrainerin werden würde, war mir immer sehr bewusst. Im Februar 2020 war ich bereit, meine sicher bezahlte Anstellung aufzugeben, projektweise freiberuflich tätig zu sein und damit aber auch einen viel größeren Raum als Pilatestrainerin zu haben. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich Kooperationen mit zwei Berliner Pilatesstudios vereinbart. Eines davon sogar mit Gruppentrainings an Geräten, was für mich als Trainerin eine richtig große Weiterentwicklung bedeutet hat. Aber dann kam der erste Lockdown und ich war einfach nur froh, dass ich als kaufmännische Beraterin noch ein anderes Standbein hatte.

9. Mein eigenes Ding machen Wir alle wissen ja, dass es nicht bei einem Lockdown blieb. Ich habe die Zeit so gut es ging genutzt, aber mir wurde irgendwann klar, dass weiteres 'Überbrücken' mich meinem eigentlichen Ziel nicht näher bringt. Das war der Punkt, Berlin lebewohl zu sagen und einen weiteren meiner Träume umzusetzen: nach Schwerin zu ziehen....den finalen Sprung direkt an die Düne hab ich mir noch aufgehoben. Hier gehe ich jetzt meine eigenen Wege, mit Gruppenkursen die ich direkt anbiete. Und worauf ich richtig stolz bin: mit meinem eigenen Pilatesstudio für Einzeltrainings. Der Weg dahin war und ist sehr aufregend. Vor allem, weil ich mir immer wieder sehr bewusst sein darf, was genau für mich wichtig und richtig ist.


10. Heute unterrichte ich in meinen Gruppenklassen wundervolle Menschen auf der Matte sowohl live in Schwerin als auch online. Zudem begleite ich seit Jahresbeginn Frauen und Männer individuell in meinem Studio und richte mich ganz an ihren Bedürfnissen aus. Was ich bei ihnen sehe, dürfen meine Kunden und Kundinnen vielleicht selbst für sich noch entdecken. Genau diese Reise habe ich selbst vor ein paar Jahren begonnen und unterstütze jetzt dabei, den eigenen Körper wieder ganz neu zu entdecken...völlig altersunabhängig.

18 Ansichten0 Kommentare